Mir geht dieses "Aber werde jetzt nicht so 'ne Kampflesbe" nicht mehr aus dem Kopf. Ich glaube, das macht mich an der ganzen Geschichte noch am meisten wütend.
Dieser kleine Satz fasst einfach das ganze Problem zusammen.
Er realisiert offenbar nicht, dass ich immer schon auf Frauen stand, bevor ich irgendjemandem davon erzählt habe.
Ich habe im zweiten Schuljahr zum ersten Mal etwas davon gemerkt, als eine Referendarin einen kurzen Rock anhatte und ich nicht aufhören konnte, ihre Beine anzustarren und sie anfassen zu wollen. (Das mag sich irgendwie pervers anhören, weil ich acht Jahre alt war, aber mein Gott, es lässt sich nicht ändern.) Mit 15 war ich mir ziemlich sicher, dass ich Frauen mag, die Frage war nur, ob ich denn auch auf Männer stehe. Ich habe das so niemandem, außer dem Mädchen, in das ich damals verliebt war, erzählt. Sie ging relativ offen damit um, dass sie bisexuell war (mittlerweile bezeichnet sie sich allerdings als lesbisch), darum war ich mir bei ihr sicher, dass ich mit ihr reden konnte, ohne Angst zu haben, dass ich unsere Freundschaft aufs Spiel setze. In der Schule gab es immer wieder Gerüchte, dass wir ein Paar wären, oder insgesamt über meine Sexualität. Wenn ich danach gefragt wurde, sagte ich aber immer schön "Nein, nein. Ich bin nicht lesbisch. Achso, wegen dem Bild, das ich hochgeladen hatte? Nein. Man muss nicht zwingend homosexuell sein, nur weil man sich gegen Homophobie und für Gleichberechtigung einsetzt." - und außerhalb der Schule, zu Leuten, mit denen ich irgendwie befreundet war "Na ja, man muss sich ja mit 15 noch nicht festgelegt haben...".
"Erst" mit 18 wurde ich mir immer sicherer, dass ich nicht auf Männer stehe. Ich will nicht 100%ig ausschließen, dass ich irgendwann einen Jungen/Mann treffe, in den ich mich verliebe, aber ich halte es doch für sehr unwahrscheinlich.
Ich habe lange Haare, schminke mich ab und zu, wenn ich aus dem Haus gehe, trage manchmal Kleider und Schuhe mit Absätzen. Das habe ich getan, bevor ich jemandem erzählt habe, dass ich Frauen mag, und das tue ich auch jetzt noch, nachdem einige Leute es wissen. Nur weil ich auf Mädchen stehe, muss ich weder kurze Haare haben, noch Männerklamotten tragen oder mich wie ein Mann benehmen. Und auch wenn ich jetzt anfange, es Leuten zu sagen, heißt das immer noch nicht, dass ich mich die ganze Zeit als "normales" Mädchen verkleiden musste, und jetzt endlich als "Kampflesbe" herumlaufen will.
Offensichtlich ist das für ihn nicht verständlich.
Ich weiß nicht, wieso ich das Gefühl habe, mich rechtfertigen zu müssen, und er wird diesen Text ja auch nie lesen, aber seine Aussage hat mich immer noch beschäftigt. Und hier ist ja niemand gezwungen, sich mein Geschwätz anzuhören.